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Steindruckerei, Manfred Hügelow, Frankfurt/Main, 1979

Mit Kalkschiefer und Säure entstehen Lithographien
Manfred Hügelow druckt Steingemälde

Frankfurter Neue Presse, 12.11.1983


Ziemlich versteckt, mitten in Bockenheim, liegt in einem Hinterhof die Werkstatt von Manfred Hügelow, einem der wenigen in Westdeutschland, die die Kunst der Lithographie, des Steindrucks, beherrschen. Er arbeitet sehr eng mit dem Maler Walter Heckmann zusammen, der mit diesem ältesten Flachdruckverfahren seine Werke vervielfältigt. Erfunden wurde das Ganze 1798, von Alois Senefelder, als er per Zufall entdeckte, dass gerade der Solnhofener Kalkschiefer empfindlich auf Säuren reagiert.

Der unter Tage abgebaute Stein wird, so groß man ihn haben will, in Platten geschnitten. Doch bevor das Künstlerkollektiv die Fläche bearbeiten kann, müssen zwei Platten mit einer feinen Sandschicht so lange aneinander gerieben werden, bis die unterste vollkommen eben ist. Die Fläche ist je nach Schleifintensivität grober oder feiner gekörnt, aber nicht so regelmäßig, wie die Platten, die zum Offsetdruck verwendet werden, dessen „Vorfahre“ die Lithographie ist.

Der Stift des Malers ist fetthaltig, damit die Striche in den Stein gut eindringen. Beim Ätzen mit Salpetersäure muss Hügelow aufpassen, dass er richtig dosiert, sonst greift er die Substanz der Zeichnung an. Auf dem Steindruckapparat feuchtet der Drucker die mit einer Gummierung behandelte Fläche an, wobei jedoch nur die unbemalten Stellen das Wasser aufnehmen. Mit einer Art Nudelholz mit Lederbeschichtung trägt Hügelow fette Farbe auf, die in die Zeichnung eindringt, und von den freien Stellen abgestoßen wird. Eine Walze überrollt das Ganze und überträgt den Druck auf blütenweißes Bündener Papier.

Diese Art des Druckens ist sehr langwierig, nur in begrenzter Auflage möglich und deshalb ziemlich teuer. Original darf sich nur der Druck nennen, der von der von dem Maler bearbeiteten Druckform stammt.